
Kassandra im traditionellen "Student-Overall", den man zu jeder Universitätsveranstaltung trägt
Foto: Kassandra KönigEin Winter in Turku, Finnland
Ich bin Kassandra und studiere Kunst und Biologie auf Lehramt an der Bauhaus-Universität Weimar sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gegen Ende meines Studiums hatte ich den Wunsch, mein Wissen in den Erziehungswissenschaften weiter zu vertiefen und einen internationalen Blick auf die Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu gewinnen. Außerdem wollte ich meine persönlichen Fähigkeiten in Vielsprachigkeit und Multikulturalität erweitern. Für mich war schnell klar, dass Finnland das perfekte Gastland ist. Das finnische Bildungssystem hat einen hervorragenden internationalen Ruf, viele Kurse in den Bildungswissenschaften werden auf Englisch angeboten und die University of Turku ist gut organisiert. Sie bietet eine große Auswahl an spannenden Studienangeboten und Möglichkeiten zur Beteiligung.
Das Herbstsemester beginnt in Finnland schon Anfang September und endet im Dezember. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig um alles Organisatorische zu kümmern, wie zum Beispiel die Überbrückungsfinanzierung oder Klausurtermine. Auch der Wohnungsmarkt in Turku ist ziemlich angespannt. Wenn man sich nicht rechtzeitig um einen Platz im Studierendenwohnheim bewirbt, muss man zum Teil mit hohen Mietpreisen bei privaten Wohnungen oder WGs rechnen. Ich hatte Glück und bekam einen Platz im Studierendenwohnheim (YO KYLÄ). Dadurch konnte ich zentral und günstig wohnen. Mein Fußweg zur Uni dauerte nur fünf bis zehn Minuten und im Student Village gab es Einkaufsmöglichkeiten, ein Fitnessstudio und Föli-Fahrräder als öffentliches Verkehrsmittel. Außerdem war es eine gute Möglichkeit andere Studierende kennenzulernen.
Malen zu Frida Kahlo in der Teacher Training School
Foto: Kassandra König
Bei meiner Modulwahl habe ich mich auf Erziehungswissenschaften konzentriert, aber zusätzlich zwei Finnisch-Sprachkurse belegt, um die Sprache und Kultur besser kennenzulernen. Da ich keine Anerkennung meiner Kurse benötigte, habe ich sie nicht anrechnen lassen. Trotzdem waren sie ein großer persönlicher Gewinn für mich. Besonders die Kurse in den Erziehungswissenschaften kann ich allen empfehlen. Ein besonderes Highlight war mein Praktikum an der Teacher Training School in Turku. Dort konnte ich die Unterschiede im Schulalltag erleben und sehen, wie theoretische Konzepte in der Praxis umgesetzt werden. Das war zwar ziemlich arbeitsintensiv, aber unglaublich lehrreich.
Kassandra auf ESN-Reise in Lappland
Foto: Kassandra KönigAlles, was man zur Vorbereitung auf einen Aufenthalt in Turku wissen muss, bekommt man rechtzeitig per Mail und in den Vorbereitungsmeetings mitgeteilt. Alle wichtigen Informationen findet man auch auf den offiziellen Webseiten der University of Turku, des TYS (Studierendenwohnheim), von Campus Sport (Unisport) oder der TYY (Student Union). Zusätzlich bekommt man einen Tutor zugewiesen, der bei Fragen im Vorfeld helfen kann. Ich kann auch sehr empfehlen, sich über das ESN-Netzwerk zu verknüpfen. Sie organisieren viele Veranstaltungen vor Ort und sind eine gute Anlaufstelle für verschiedene Fragen und Herausforderungen.
Mein Leben in Finnland war wunderschön. Die Natur rund um Turku, insbesondere das Archipelago, ist atemberaubend. Da fast alle Menschen Englisch sprechen, fällt die Orientierung leicht. Wenn ich nicht gerade in der Natur oder einer der hervorragenden Mensen war, konnte man mich meist in der Sauna finden. Die finnische Saunakultur ist etwas ganz Besonderes, und ich habe eine Leidenschaft für das Eisschwimmen entwickelt. Meine schönste Erinnerung ist der Moment, als ich kurz vor Weihnachten mit meinen finnischen Freunden nach der Sauna in der eiskalten Ostsee saß. Eisschollen trieben um uns herum, und das Licht der untergehenden Sonne spiegelte sich darauf. Es war ein unglaublich stiller Augenblick – ich hatte das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.